Bewusstlos im Wald: Feuerwehr Friedersdorf - Der Zufall rettet ein Leben - Dokumentation


     Landesfeuerwehrverband Brandenburg - 30.September 2008
 
     Auf das Unvorhersehbare vorbereit zu sein ist gerade für die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren eine wichtige Sache.
     Sie haben sich zusammen geschlossen, um dann einzuspringen, wenn Andere in missliche oder schon aussichtlose Situationen geraten sind.
     Sie sind mit ganzem Herzen dabei, ohne über Anerkennung, Lob oder gar eine Entlohnung nach zu denken. Sie wollen für ihr selbstloses Handeln
     keine Lorbeeren, sie wollen nur gewappnet sein.

     Das Erntedankfest in Friedersdorf (Landkreis Dahme-Spreewald) war die sich jährlich wiederholende willkommene Abwechslung, eines der
     örtlichen Highlights. Zusammen sitzen, fröhlich sein, Spaß haben, die Gemeinsamkeit in Mitten von Freunden, Familien, aber auch Nachbarn
     einfach genießen. Sie, die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, sind da immer mit von der Partie, denn sie helfen aktiv bei der Ausgestaltung.

     Es ist Sonntag. Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Friedersdorf räumen mit zahlreichen Kameradinnen und Kameraden die Reste des
     Erntedankfestes im Ort auf. Es ist niemand übrig geblieben vom Vorabend, nur Zelt, Bänke und Tische mussten wieder geparkt werden.

     Die Feuerwehreigenen Gulaschkanonen waren vom nächtlichen Einsatz noch warm. Sie sollten wieder eingelagert werden. Nach Friedrichshof
     führte der Weg, gleich um die Ecke. Auf der Rückfahrt, nahe der Autobahn angekommen, ein nicht geplanter Halt. Völlig aufgelöst, kaum ein
     Wort herausbringend, stand dort ein Mann und versuchte, der Feuerwehr einen Weg zu weisen. Ortswehrführer Ronny Teßmann und seine
     Kameraden waren überrascht, denn sie wussten nichts von einem Vorfall, ihre Alarmmelder waren ruhig. Der Bürger aber ging davon aus,
     dass sie zu ihm wollten, denn er hatte vor geraumer Zeit einen Notruf abgesetzt. „Hinten im Wald liegt eine bewusstlose Frau“ kündigte er einen
     Notfall an. Ohne zu zögern und in einer Selbstverständlichkeit lenkten die Kräfte ihr Fahrzeug in ein schwer zugängliches Waldstück.
     Zuvor aber wurde noch schnell ein „Einweiser“ abgestellt, denn der auf der Anfahrt befindliche Rettungsdienst kannte sich in dieser Gegend wohl
     noch weniger aus. Knapp 100 Meter abseits befestigter Wege fanden sie die Frau, sie war ansprechbar. Es galt, im Rahmen der Erstversorgung
     Vitalfunktionen zu prüfen und aufrecht zu erhalten. Christian Semmler, ausgebildeter Rettungssanitäter und Mitglied der Friedersdorfer Wehr,
     kümmerte sich gemeinsam mit anderen Kameraden, schützte die Frau nach einer Ersthelferversorgung zudem vor einer Unterkühlung.
     Der Rettungswagen kam aus dem 15 km entfernten Erkner, der Notarzt kam aus Rüdersdorf und musste 28 km zurück legen.
     Sie übernahmen die Patientin nach Eintreffen zur weiteren Versorgung und Fahrt ins Krankenhaus nach Rüdersdorf.

     Der Zufall hat wahrscheinlich dieser Frau das Leben gerettet. Im teilweise dicht bewachsenen und bewaldeten Brandenburg kommt es immer
     wieder zu Unfällen in nahezu undurchdringlichen Bereichen. Einzig die örtlichen Feuerwehren mit ihrer guten Ortskenntnis sind hier von
     besonderer Bedeutung. Im Zusammenspiel mit dem Rettungsdienst können sie bei rechtzeitiger Alarmierung Schlimmeres verhindern.
     Zudem kommt dann auch die teilweise bestehende besondere Ausbildung der Einsatzkräfte zum Tragen.
     Rettungsassistenten, Rettungssanitäter oder auch Rettungshelfer befinden sich unter den Einsatzkräften, sie können bis zum Eintreffen des
     Rettungsdienstes vor Ort die beste Erstversorgung garantieren. In vielen Bereichen wurde aus diesen Gründen die „First Responder“ installiert.
     Hierbei handelt es sich um Kräfte, die nicht nur eine ergänzende Rettungsdienst-Ausbildung vorweisen können, sondern auch auf den
     Fahrzeugen der Feuerwehr über zusätzliche Rettungsmittel verfügen. Sie sollen die Zeit zwischen Eintreten des Notfalls und der ersten
     medizinischen Versorgung - sog. therapiefreies Intervall - verkürzen. In den wenigen Minuten zwischen Alarmierung und Eintreffen des
     Rettungsdienstes können die Frauen und Männer der Feuerwehr mehr Leben retten. Viele Aufgabenträger zahlreicher Bundesländer und
     Landkreise haben dies längst erkannt und die Fahrzeuge mit beispielsweise Notfallkoffer, einem Sauerstoffbehandlungsgerät und oft auch einem
     „Automatisierter Externer Defibrillator“ (AED) ausgestattet.
     Gerade hier engagiert sich beispielsweise die Björn-Steiger-Stiftung – www.steiger-stiftung.de – in ihrem „Kampf gegen den Herztod“.
     Es gibt aber immer noch Verantwortliche, die diesen wichtigen Schritt scheuen. Zeit wird’s, denn bei beispielsweise einem Herzinfarkt zählen die
     ersten Minuten, sie tragen zum Überleben bei.

     Wie wichtig das Zusammenspiel zwischen Rettungsdienst und Feuerwehr bei den Einsatzkräften gesehen wird, zeigt die Dankes-Mail eines
     Notarztes über einen weiteren Einsatz der Heidesee-Wehren (Einsatzdaten entfernt):

     An die Kameraden der FFW Heidesee Feuerwache Prieros und beteiligter Wehren:
     Ich möchte mich hiermit bei allen beteiligten Kameraden für die gute Zusammenarbeit beim Einsatz am xx.xx.xxxx – VKU xxx – bedanken.
     Durch Ihre tatkräftige Mitarbeit und Ihre technische Sicherstellung konnte eine angemessene und zügige Erstversorgung der verletzten Person
     am Unfallort erfolgen. Ihre Hilfe hat den raschen Transport zur Weiterversorgung im Krankenhaus möglich gemacht.

     Mit bestem Dank - Notarzt Dr. xxx.
  Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.


     Anmerkung der Redaktion: Im Landkreis Dahme-Spreewald gibt es bisher keine "First Responder".