First Responder in Berlin - Dokumentation
First Responder / Voraushelfer-Einrichtungen gibt es bundesweit in
allen denkbaren Varianten. Die Berliner Feuerwehr hat sich
am Münchner Modell orientiert, wo FF am Stadtrand diese Aufgabe
erfolgreich übernommen haben.
Wie wurde der Einsatz der FR/Voraushelfer in
Berlin vorbereitet ?
Vor Einführung wurde ermittelt, wie häufig
Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehren (FF) als Zusatzgestellung für RTW
aus entfernteren
Wachbereichen alarmiert wurden und welcher
Zeitvorteil sich daraus gegenüber dem Eintreffen des RTW ergab.
Ausgewählt wurden FF mit mindestens 50
Zusatzgestellungen bei RTW-und NA-Stichworten im Jahr.
Aus dieser Aufstellung ergab sich eine Rangfolge
der FF, für die Indienststellung von „First Respondern“.
Im Ergebnis sollte das bisher alarmierte
Löschfahrzeug nicht mit der kompletten Besatzung zum Patienten fahren
sondern lediglich ein
Trupp mit zwei Voraushelfern um die
Eintreffzeit am Patienten zu verkürzen. Auf Grund einer entsprechenden
Vorlage wurde vom
Landesbranddirektor beschlossen am 2. Dezember
2003, einen Probebetrieb „First Responder“ durchzuführen.
Da der Begriff „First Responder“ z. B. auch für
Zusatzgestellungen von Fw-Fahrzeugen zu Feuerwehrtechnischen Einsätzen
benutzt wird,
favorisiert der Fachbereich Rettungsdienst die im
Folgenden verwandte Bezeichnung „Voraus-Helfer“ (VH), die kurz und auch
für
Laien verständlich die Aufgaben beschreibt.
Was ist ein Voraushelfer in Berlin ?
Ein Voraushelfer ist ein Mitglied der
Freiwilligen Feuerwehr, der mindestens über die Ausbildung zum
Rettungshelfer in einem
Stundenumfang von 80 Stunden verfügt. Dieses gilt
generell für alle Mitglieder der FF. Sie ist im Rahmen der
Grundausbildung
zu absolvieren.
Wie wird eine Feuerwache Voraushelfer ?
Die Funktion Voraushelfer ist grundsätzlich nicht an
eine Wache gebunden, Voraushelfer könnten auch „von Zuhause“ ausrücken.
Wie sind die Voraushelfer ausgebildet ?
Die Berliner
Voraussetzung für die Teilnahme am Voraushelfer-Dienst ist die Ausbildung
zum Rettungshelfer. Zudem wurde von
Lehrrettungsassistenten innerhalb der jeweiligen Direktion eine
festgelegte Zusatzausbildung von 40 Stunden durchgeführt.
Diese Ausbildung umfasst
unter anderem Themen wie
- Dokumentation im Rettungsdienst
- Anatomische Grundlagen Herz/Kreislauf
- Erkrankungen Herz/Kreislauf
- Anatomie Atmungsorgane
- Erkrankungen von Atmungsorganen
- Erkrankungen des Bewusstseins
- Patientenbeobachtung
- Traumatologische Notfälle
- Skelett und Skelettverletzungen
- Vergiftungen
- Geburtshilfe
Zusätzlich ist jeder Voraushelfer im Umgang mit
dem Defibrillator geschult. Hierzu erfolgte eine Einweisung in das Gerät
mit
Reanimationstraining über 8 Stunden.
Seit wann gibt es Voraushelfer bei der
Berliner Feuerwehr ?
Das eigentliche „Voraushelfer-System“ gibt es
seit September 2003.
Warum wurde ein Voraushelfer-System in Berlin
eingeführt ?
Zur Verkürzung der Hilfsfrist in Bereichen mit
niedrigem Einsatzaufkommen, wo die Stationierung eines RTW nicht
vertretbar ist.
Welche Wachen sind Voraushelfer-Standorte ?
Ursprünglich begann der Voraushelfer Dienst auf
den FF-Standorten Mahlsdorf, Staaken und Schmöckwitz/Rauchfangswerder.
Letzterer führt einen gemeinsamen Voraushelfer
Dienst durch. Zusätzlich wurde der FF-Stützpunkt Lübars von der
Direktion Nord
mit dieser Aufgabe betraut. Inzwischen kam die FF
Bohnsdorf dazu.
Mit welchen Fahrzeugen rücken die
Voraushelfer in Berlin aus ?
Auf den Voraushelfer-Stützpunkten werden –
je nach Verfügbarkeit – Fahrzeuge des Katastrophenschutzes,
Reserve-Fahrzeuge PKW
oder auf den Stützpunkten stationierte
Löschfahrzeuge genutzt.
Wie sind die Voraushelfer ausgerüstet ?
Die Voraushelfer sind mit einem
Notfallrucksack einschließlich Defibrillator und
Sauerstoffinhalationsgerät ausgestattet.
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Zu welchen Einsatzstichworten werden
Voraushelfer alarmiert ?
Grundsätzlich war eine Alarmierung zu
medizinischen Notfällen (ehemals Notarzt-Stichworte) geplant, die
Alarmierung zu Person in Notlagen
(PIN) war nur zulässig, wenn der RTW aus
entfernten Wachbereichen alarmiert wurde. Dies hat sich aber im Verlauf
des Probebetriebes
unterschiedlich dargestellt.
Wie sind die Erfahrungen mit
Voraushelfern in Berlin ?
In allen Bereichen der
Voraushelfer-Stützpunkten hat sich der Einsatz dieser als positiv
erwiesen. Die Voraushelfer sind in der Lage,
die Zeit bis zum Eintreffen des RTW
sinnvoll mit Diagnostik und Erstmaßnahmen zu überbrücken und dem
nachrückenden Personal
(RTW und NEF) bei der Patientenversorgung
zu assistieren.
Welchen durchschnittlichen Zeitvorteil
gegenüber dem RTW / NEF bieten die Voraushelfer in Berlin ?
Im Durchschnitt trafen die Voraushelfer –
je nach regionalen Gegebenheiten – drei bis vier Minuten vor dem RTW und
bis zu 10 Minuten
vor dem NEF ein.
Wie oft werden Voraushelfer alarmiert ?
Die Alarmierung der Voraushelfer entspricht
ca. 800 Einsätzen pro Jahr. Hier ist zu beachten, dass es insbesondere
im Bereich
Schmöckwitz/Rauchfangswerder zum einen
saisonal bedingt, zum anderen wetterabhängig in Ausflugsgebieten zu
höheren Einsätzen
kommt. Die Zahlen der anderen Stützpunkte
sind eher konstant.
Wie viele Leben konnten durch den
Einsatz der Voraushelfer bisher gerettet werden ?
Diese Zahlen sind in der Auswertung nicht
erfasst worden. Die primären Tätigkeiten beziehen sich in erster Linie
auf die
Feststellung von Vitalwerten des Patienten (Puls, Blutdruck,
Bewusstseinslage). Reanimationen durch Voraushelfer eher selten,
eine Verbesserung des Patientenzustandes konnte
in 75 Fällen erreicht werden.
Fahren die Voraushelfer aus Berlin auch
zu Notfällen in Brandenburg ?
Der Einsatz von Voraushelfern im Umland
findet nur statt, wenn die Berliner Feuerwehr im 1. Abmarsch zuständig
ist oder die örtlich
zuständige Leitstelle den Einsatz von
Voraushelfern ausdrücklich wünscht.
Wird das Projekt Voraushelfer
fortgesetzt ?
Der Probebetrieb ist beendet. Aufgrund der
guten Ergebnisse wird das Projekt in den Regelbetrieb überführt.
Dank an Detlef Biederman, Berliner Feuerwehr -
Grundsatz und Steuerung Rettungsdienst.










